Als ich noch im Kindergarten arbeitete, ärgerte ich mich öfters, wenn die Aussage „das ist ja wie im Kindergarten“ fiel. Oft wurde diese Aussage verwendet, wenn etwas Komisches vor sich ging.
Das störte mich, weil ich wusste, dass der Kindergarten ganz anders ist!

Heute denke ich ein bisschen anders darüber. Ich finde, manchmal sollte die Arbeitswelt tatsächlich mehr sein, wie ein Kindergarten…

Der blaue Stuhl

Der blaue Stuhl wird im Spielzeugfreien Kindergarten zur Konfliktlösung eingesetzt und setzt sich aus einer mehrstufigen Konfliktlösung zusammen.

  1. Die Kinder versuchen Konflikte selbst zu lösen. Falls sie den Konflikt selber lösen können, fahren sie mit der unterbrochenen Aktivität weiter.
  2. Wenn der Konflikt nach Schritt 1 ungelöst bleibt, holen sich die Kinder Unterstützung bei anderen Kindern. Falls der Konflikt dann mit der Unterstützung gelöst wird, gehen sie wieder zur unterbrochenen Aktivität zurück. Wenn nicht, folgt Schritt 3.
  3. Glocke läuten. Das Kind, das eine Lösung braucht, setzt sich auf den blauen Stuhl. Alle anderen Kinder setzen sich zu ihm. Nun sucht die ganze Gruppe nach einer Lösung. Zu Beginn der Projektzeit wird der blaue Stuhl durch die Kindergartenlehrperson moderiert. Mit der Zeit können die Kinder das selbständig. Die Konferenz dauert so lange, bis die Kinder eine passende Lösung für alle gefunden haben.
Auch für die Arbeitswelt?

Kürzlich erzählte mir eine Kindergartenlehrperson, die zum 1. Mal den Spielzeugfreien Kindergarten durchführt, dass ein Vater so begeistert war vom blauen Stuhl, dass er diesen in seinem Geschäft einführen will!

Ob das funktioniert? Ich denke schon! Ziemlich ähnlich wie der oben beschriebene Prozess, hat Frederic Laloux im Buch „Reinventing Organizations; ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit“ die Konfliktlösung im Betrieb beschrieben.

Heute ärgere ich mich nicht mehr, wenn ich die Aussage höre: „So ein Kindergarten!“

 

Susanne Wasserfallen – fasziniert vom blauen Stuhl