Es gibt einen Streit um eine Schlange! Also, nicht eine Richtige – Erwachsene würden dazu wohl sagen, sie streiten um ein Seil. Beide Kinder reissen an dem Seil, wobei sich ein Mädchen weh macht, da das Seil in der Hand „ripscht“. Sie weint. Ich komme in die Situation und versuche herauszufinden, was genau das Problem ist. Nach der Diskussion, wer die Schlange zuerst hatte und welche Rolle die Schlange im Spiel hatte, ermitteln wir, was die jeweiligen Kinder nun möchten:

Roger: „Mir wennd eifach ned, dass si mit eus spillt“. Da fragt die Kindergartenlehrperson: „Warum denn nid?“ „Will sie eus ärgeret jetzt“, meint Roger und Nico: „Ja, sie macht immer alles falsch, gell Roger!“ Dieser bestätigt das. „Hend denn ihr ihre erklärt, was ihr spieled?“, will die Kindergartenlehrperson wissen. Roger: „Jaaa, und sie macht eifach alles falsch, sie holt sPoschtwägel i und das isch ned ii eusem Spiel, sie macht eifach alles falsch.“ Und Nico ergänzt: „Jaaa und eigentlich hämmer welle die Schlange töte, aber d’Lia hört net, sie holt die Poscht ab und tuet Sache verliefere, aber mir bruchet das nöd.“ Die Kindergartenlehrperson versucht zu vermitteln: „Wenn mer zäme duet spiele, denn chönd doch alli Idee iibringe? D’Lia het jetzt halt anderi Idee.“ Darauf Roger: „De Nico dörf d’Sache entscheide, nöd ich… au nöd d’Lia!“ Nun fühlt sich auch Lia angesprochen: „Ich han der hunderttuusig mol gseid, du dörfsch sälber überlegge“ Ach, so ist das, denkt die Kindergartenlehrperson. Nico ergänzt: „…weil d’Lia isch au immer Käptän“. Das sieht Lia anders: „Ich bin no nie…“ „Und ich wett nume, dass de Nico de Käptän isch, er sich nämli immer de beschti Käptän“, meint Roger dazu. Lia betont: „Du dörfsch trotzdem selber entscheide, was du machsch“. Schwierig – die Kindergartenlehrperson will wissen: „Wieso bruchts denn überhaupt en Käptän? Burchts denn eine?“ Roger und Nico sind sich zumindest darin einig: „Jaaa, jaaa!“

Gar nicht so einfach – hier eine Idee zu finden, die allen passt.

 

Eine Kindergartenlehrperson aus dem Aargau