Um es gleich vorab zu sagen: Im Spielzeugfreien Kindergarten ist der Finkenzwang kaum umsetzbar. Gewisse Finken sind einfach nichts, wenn man klettern möchte. Beim Wechsel auf den Pausenplatz könnten sie jedoch von Nutzen sein. Im Sommer allerdings sind viele Kinder so oder so barfuss unterwegs. Bewährt haben sich vollgummierte Socken, nicht jene mit den Gummipunkten.

Ich glaube, an der Frage zum Finkenzwang zeigt sich, worum es im Spielzeugfreien Kindergarten geht: Bewegung, aushandeln, herausfinden was für welche Situation gut nützlich ist, Improvisation.

19 Kindergartenlehrpersonen lernen, worum es geht …

und kleben anfangs Zettel auf den Flip mit der Frage: Wie geht’s seit dem 1. Kursnachmittag?

Ich nehme als Zaungast am 2. Kursnachmittag zum Spielzeugfreien Kindergarten teil.

Ich bin da, um zu beobachten, fotografieren und berichten – was ich mit diesem Blogbeitrag gerade mache. Heute geht es um die Rolle der Kinder und der Lehrpersonen. Wer tut was, wenn die Spielsachen weggeräumt sind? Was soll passieren?

Als Einstieg wird die Audioslideshow gezeigt, die ich im März 2014 für das Projekt erstellt hatte.

Haben die Kinder wirklich alles selber so eingerichtet? Ja, das haben sie. Alles selber gebaut und gestaltet und ja, auch der Pneu-Schlauch wurde von den Kindern montiert! Die Kinder erhalten und übernehmen viel Eigenverantwortung. So bestimmen sie auch selber, wo und wann sie z’Nüni essen. Mit der Zeit finden sie heraus, was ihnen gut tut, wie es für sie stimmt.

Was machen die Kinder im Projekt? Was lernen sie?

Weiterführende Gedanken

  • Kinder lernen und erleben schöne Sachen, auch Konflikte lösen zählt zu den Sachen, die man lernen kann.
  • Ist wie ein Selbstläufer, es beinhaltet alles, was sie lernen sollten.
  • Sie dürfen ein Stück weit so sein, wie sie sind.
  • Was sie machen, ist aufgrund der eigenen Motivation, nicht weil die Lehrperson es möchte oder vorschlägt.
  • Das Projekt kitzelt noch etwas mehr heraus, was im Kindergarten so oder so erlebt und gelernt wird.
  • Die Kinder kommen aus ihrer Komfortzone, was für einige schwierig ist. Sie sind mehr auf sich selber zurückgeworfen und bekommen nichts serviert.
  • Schwierigkeiten überwinden stimuliert das Gehirn und ermöglicht so das Lernen.
  • Die Kinder üben Risikokompetenz.
  • Wie viel Gefahr darf, soll, kann man zulassen? Man will ja nicht die Behörden am Hals haben.

Regeln: Was ist verhandelbar, was wird sich ändern, welche werden wegfallen?

  • Finkenzwang weg – ja, nein? Zum Teil gibt es den Finkenzwang jetzt schon nicht. Bei einigen sind die Kinder im Sommer barfuss. Gummierte Socken empfehlen sich. Gewissen Finken sind einfach nichts, wenn man klettern möchte. Was ist beim Wechsel an die frische Luft, wenn die Schulglocke läutet?
  • Wunsch: Möglichst wenig Regeln, vielleicht entwickelt sich dann etwas und die Kinder stellen Regeln aufgrund ihrer Erfahrungen auf. Das wäre schön, ist aber sicher nicht ganz einfach zu begleiten / leiten.

Der blaue Stuhl ist das Hauptinstrument zur Regelung des Zusammenlebens im Kindergarten.

  1. Schritt: Bei Konflikten oder Problemen versucht das Kind, diese selber zu lösen.
  2. Schritt: Wenn es nicht weiterkommt, holt sich das Kind Hilfe bei einem Gspändli: Kannst du mir helfen?
  3. Schritt: Der blaue Stuhl mit Glocke darauf. Das Kind mit dem Problem kann die Glocke läuten. Alle Kinder kommen zur Helferkonferenz. Das Kind setzt sich auf den Stuhl und erzählt sein Problem. Alle anderen hören zu. Dann fragt das Kind: Wer kann mir helfen? Alle bringen Lösungen, dass Kind wählt eine Lösung aus und bittet das Kind, das die Idee hatte, um Hilfe bei der Umsetzung. Dann bedankt sich das Kind bei allen.

Anfangs brauchen sie Unterstützung, bis es eingespielt ist. Es muss genau so durchgeführt werden. Wenn Eltern zuschauen kommen, sind sie sehr erstaunt, was die Kinder zu Stande bringen. Es klappt bei allen Klassen und am Schluss geht es ohne Hilfe.

Der blaue Stuhl wird in der Regel anfangs Projekt eingeführt. Jede Lehrperson kann schauen, was für sie stimmt. Am Schluss fragt Christina, ob der blaue Stuhl beibehalten werden soll. In der Regel wollen sie den Stuhl noch, aber er wird immer weniger gebraucht.

Stolpersteine

  • Destruktive Kinder
  • Kinder, die keine Lust haben und sich verweigern
  • Pausenplatz mit anderen teilen
  • Kein direkter Zugang zum Garten, man muss einen Platz überqueren – braucht Begleitung
  • Uneinsichtige Eltern
  • Schulanlässe wie die Fasnacht, an welchen man etwas mit der ganzen Schule machen muss. Das Motto ist jeweils von der Fasnachtsgesellschaft vorgegeben.
  • Aussenplatz mit nichts – was tun?
  • Elternbesuchstage – wie handeln?
  • DaZ – Deutsch als Zweitsprache?

Rolle der Kindergartenlehrperson

  • Coaching
  • Moderation / Zurückhaltung üben
  • Beobachten

Marianne Steiner, Bereichsleiterin Suchtprävention Aargau, begeistert vom Spielzeugfreien Kindergarten seit wir damit unterwegs sind, also 2001.


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