Das Projekt

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Das Projekt2018-06-14T16:49:10+00:00

Weg mit den Spielsachen

Im Kindergarten schicken wir die Spielsachen in die Ferien, erzählt Lisa Zuhause. Nach den Weihnachtsferien findet der Spielzeugfreie Kindergarten statt. Für drei Monate werden alle Spielsachen aus dem Kindergarten geräumt. Es bleiben Stühle, Tische, Seile, Tücher, Wäscheklammern, Bretter, Kisten… – alles Dinge, die nicht extra zum Spielen erfunden wurden.

15-jährige Erfolgsgeschichte

Seit mehr als 15 Jahren führen Kindergärten im Kanton Aargau den Spielzeugfreien Kindergarten durch. Die Kindergartenlehrpersonen werden von der Suchtprävention Aargau  fachlich begleitet. An drei Kursnachmittagen erfahren die Kindergartenlehrpersonen, was es mit dem Projekt auf sich hat. Sie hören, was daran genau präventiv sein soll, ausserdem wo die Stolpersteine und Erfolgsmomente liegen können. Jeweils nach den Weihnachtsferien werden die Kindergärten gemeinsam mit den Kindern ausgeräumt. Die Kinder entscheiden, was zuerst in die Ferien geschickt wird – auch Spielsachen brauchen mal eine Pause.

Die Projektzeit

Innerhalb der dreimonatigen Projektzeit verändert sich die Aufgabe der Kindergartenlehrperson. Nun gibt nicht mehr sie vor, was im Kindergarten passiert. Nein, sie wird zur Beobachterin und zur Begleiterin der Kinder. Diese entscheiden jetzt, was sie im Kindergarten tun wollen. Fatos steht breitbeinig mit aufgestützten Händen im Kindergarten. Er schaut um sich. Was nun? Die Legos sind weg. Da wäre er normalerweise jetzt hin… In der veränderten Kindergartenumgebung lernen die Kinder mehr Verantwortung für sich zu übernehmen. Sie werden kreativer und innovativer. Es wird mehr miteinander diskutiert. Ausserdem werden sie stärker zur Kooperation angehalten.

Abmachungen und Regeln

Ganz regellos läuft es natürlich nicht. Zu Beginn verhandelt die Kindergärtnerin mit den Kindern Regeln für die spielzeugfreie Zeit. Der blaue Stuhl wird eingeführt. Dieser kommt zum Zug, wenn jemand Unterstützung oder Ideen braucht oder wenn es ein Problem zu lösen gibt.

Unterstützung der Kindergartenlehrperson

Es gibt einen Kurs für Kindergartenlehrpersonen, die das Projekt zum ersten Mal durchführen wollen. Die Suchtprävention Aargau bietet diesen jeweils im Spätsommer an. Im Kurs werden Stärken und Stolpersteine aufgezeigt.  Von Januar bis März – während der Projektzeit im Kindergarten – treffen sich die Kindergartenlehrpersonen regelmässig in Praxisgruppen. Dort tauschen sie ihre Erfahrungen aus und holen sich Ideen für die täglichen Herausforderungen.

Elternzusammenarbeit

Während der spielzeugfreien Zeit ist die Zusammenarbeit mit den Eltern intensiver. Die Entwicklung der Kinder und deren Befindlichkeit stehen im Zentrum. Die Kindergartenlehrperson lädt zu Elternabenden ein. Ausserdem ermuntert sie die Eltern für einen Besuch im Kindergarten. Manchmal wird den Eltern die Workshop-Reihe ElternAlltag ermöglicht. Sie ist eine Gelegenheit sich wieder einmal Zeit fürs Elternsein zu nehmen.

Projektabschluss im Kindergarten

Allerdings hat alles ein Ende. Vor den Frühlingsferien wird gemeinsam mit den Kindern der Kindergarten wieder eingerichtet. Nick und Arberije sind sich einig – sie wollen weiterhin eine spielzeugfreie Ecke im Kindergarten haben.

Fragen und Antworten

Verändert sich die Elternzusammenarbeit?2017-06-23T08:16:10+00:00

Es ist gut möglich, dass sich die Elternzusammenarbeit verändert. Die Unterstützung der Eltern ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekterfolges. Ein Grossteil der Eltern ist dem Projekt gegenüber positiv eingestellt und unterstützt die Kindergartenlehrperson in ihrem Vorhaben.

Daher ist eine transparente Kommunikation mit den Eltern wichtig um Ängste, Bedenken, Unsicherheiten sowie Zustimmigkeiten abzuholen. Im 2. Quartal werden die Eltern zu einem Elternabend eingeladen, wo sie über das Projekt informiert werden. Bei der ersten Durchführung werden die Kindergärtnerinnen von der Suchtprävention Aargau unterstützt. Während der 3-monatigen Projektzeit im Kindergarten findet ein weiterer Elternabend statt um allgemeine Erfahrungen auszutauschen.

Interessierte, kritische oder besorgte Eltern sind herzlich eingeladen einen Besuch im Spielzeugfreien Kindergarten zu machen. So können sie sich selbst ein Bild vom Ganzen zu machen. Auch ein persönliches Gespräch kann sinnvoll sein um sich über die Befindlichkeit der Kinder auszutauschen.


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Legt die Kindergartenlehrperson 3 Monate lang die Füsse hoch?2017-06-23T08:26:17+00:00

Wer meint, dass sich die Kindergartenlehrperson während drei Monaten eine nette Zeit macht – Kaffee trinkt und Zeitung liest, der irrt sich gewaltig. Für die Kindergärtnerin dauert die Projektzeit 10 Monate. Sie beginnt mit dem ersten Kurstag im August. Im Mai endet sie mit dem Auswertungstreffen. In der Zwischenzeit besucht sie drei Kursnachmittage. Ausserdem führt sie zwei Extra-Elternabende für den Spielzeugfreien Kindergarten durch. Intensiviert die Elternzusammenarbeit, nimmt an 5 Praxisgruppentreffen teil und tauscht sich wöchentlich mit einer Kollegin aus.

Während der Projektzeit im Kindergarten nimmt die Kindergartenlehrperson eine beobachtende Position ein um dem Spielfluss der Kinder freien Raum zu geben. Gleichzeitig muss sie abwägen, ob es ein Eingreifen ihrerseits braucht um ihrer Obhutspflicht nachzukommen. Sie verhandelt mit den Kindern Regeln und achtet auf deren Einhaltung. Sie begleitet und interveniert, wo nötig. Am Schluss des Halbtages leitet sie die Schlussrunde mit den Kindern um auf den Morgen zurück zuschauen und die Befindlichkeit der Kinder zu reflektieren.


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Was hat der Spielzeugfreie Kindergarten mit Prävention am Hut?2017-06-23T08:31:15+00:00

Der fünfjährige Kevin liebt es in den Kindergarten zu gehen.  Dort spielt und rauft er gerne mit seinem Freund Dejan. Alkohol und Zigaretten gehören nicht in seine Welt – was soll also Prävention im Kindergarten? Einfach gesagt, ist das wie beim Zähne putzen – auch das wird im Kindergarten gemacht, obwohl viele Zähne noch gesund sind – keine Löcher oder kein entzündetes Zahnfleisch da ist. Ziel ist es nämlich die Zähne gesund zu erhalten.

Und genau das wollen wir auch mit dem Spielzeugfreien Kindergarten – wir wollen die Gesundheit der Kinder stärken – sie fit machen fürs Leben. Kinder haben den Wunsch gesehen zu werden, Dinge selber zu tun, ihre Ideen auszuprobieren. Verantwortung für sich und ihre Vorhaben zu übernehmen. Sie wollen Selbstwirksamkeit erfahren, sich an anderen messen, gemeinsam Dinge erbauen  und erleben. Der Spielzeugfreie Kindergarten bietet ihnen dazu viel Raum, weil der Alltag nicht von Erwachsenen beeinflusst und gesteuert wird.


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Braucht es eine spezielle Weiterbildung?2017-06-23T08:38:17+00:00

Wir empfehlen allen interessierten Kindergartenlehrpersonen, eine Weiterbildung zum Spielzeugfreien Kindergarten zu besuchen. Warum? Der Alltag im Spielzeugfreien Kindergarten unterscheidet sich enorm vom herkömmlichen Kindergarten. Die Weiterbildung setzt sich einerseits aus einem Kurs zusammen, der auf mögliche Stolpersteine aufmerksam gemacht. Ängste und Unsicherheiten werden angesprochen. Andererseits gibt es bei der ersten Durchführung eine fachliche Begleitung während der Projektzeit. Der Austausch mit anderen spielzeugfreien Kindergärten ist äussert wertvoll.


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Wie wird mein Kindergarten spielzeugfrei?2017-06-23T08:43:26+00:00

Die Suchtprävention Aargau bietet jedes Jahr einen Kurs zum Spielzeugfreien Kindergarten für interessierte Kindergärtnerinnen an. Für Aargauer Kindergartenlehrpersonen ist der Kurs kostenlos, für Ausserkantonale kostet er CHF 500.

Während des Kurses entscheiden sich die Kursteilnehmerinnen, ob sie das Projekt in ihrem Kindergarten durchführen wollen. Alle durchführenden Aargauer Kindergartenlehrpersonen erhalten fachliche Unterstützung bei der Umsetzung durch die Suchtprävention Aargau in Form von Teilnahme an Elternabend, Praxisgruppentreffen und Projektauswertung.

Nach der ersten Durchführung entscheiden die Kindergärtnerinnen selber, ob sie das Projekt wiederholen wollen – ohne Kurs. Sie können weiterhin auf beratende Unterstützung der Suchtprävention Aargau zählen sowie auf deren Materialen zurückgreifen.

Es hat sich bewährt den Spielzeugfreien Kindergarten im Zwei-Jahresrhythmus durchzuführen.


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Wie ergeht es den Kindern im Projekt?2017-06-23T08:46:03+00:00

Während einige Kinder sehr schnell ins Projekt finden, gibt es andere, die etwas länger Zeit brauchen um sich zurecht zu finden. Fast jedes Kind findet früher oder später seinen Platz. Falls dies einem Kind nicht gelingt, dann greift die Kindergärtnerin unterstützend ein.

Gut möglich, dass es Kindern langweilig ist – dies ist nichts Schlechtes. Schliesslich entstehen oft aus Langeweile die kreativsten Ideen. Auch hier nimmt sich die Kindergartenlehrperson zurück und beobachtet die Situation. Es kommt durchaus vor, dass Frustrationen überwunden werden müssen: Wo man sich sonst einfach mit einem Konsumgut ablenken kann, entsteht nun Langeweile.


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Spielzeugfreier Kindergarten – Regelfreier Kindergarten?2017-06-23T09:02:12+00:00

Spielzeugfreier Kindergarten heisst nicht Regelfreier Kindergarten! Ganz ohne Grenzen und Regeln geht’s nicht! Grundregeln sind sehr wichtig für das Zusammenleben und sie bleiben auch bestehen. Die grundlegende Regel ist: Ich achte mit Sorgfalt auf mich, die anderen Kinder und auf das Material. Weitere Regeln werden mit den Kindern zusammen ausgearbeitet, wie beispielsweise die Konfliktlösung mit Hilfe des blauen Stuhls. Gut möglich, dass es während des Projektes Anpassungen oder Veränderungen der Regeln braucht. Dies besprechen und verhandeln die Kinder gemeinnsam mit derKindergartenlehrperson. Dabei entstehen oft ganze neue, vielleicht auch ungewohnte Abmachungen.


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Welche Spielsachen werden weggeräumt, was bleibt?2017-06-23T14:04:53+00:00

Alle vorgefertigen und strukturieren Spielsachen werden weggeräumt. Das sind Dinge, die von Erwachsenen für Kinder ausgedacht und entwickelt wurden.

Beispiele: Gesellschafts- und Kartenspiele, Bücher, Autöli, Kugelbahn, Puppen, Geschirr, Kleider, Legos, Puzzles, Duplos, Farben, Plüschtiere etc.

Falls die Kinder für die Umsetzung einer Idee etwas von diesen Dingen brauchen – beispielsweise Farbstifte und Papier um Eintrittskarten für den Zirkus zu schreiben – kann man sie zu Verfügung stellen. Anschliessend werden sie wieder weggeräumt.

Unstrukturiertes Spielmaterial, welches die Fantasie, Kreativität und Vorstellungsvermögen des Kindes anregt, bleibt.

Beispiele: Naturmaterial, Mobiliar, Tücher, Röhren, Schachteln und Kisten, Kissen und Decken, Seile, Reifen, Abfallmaterial, wie Eierschachteln, Röhren, Harassen etc.

Es gibt aber auch Materialen, wie Bauklötze, Murmeln und Bälle, die sich nicht genau zu ordnen lassen. Wir empfehlen hier mutig zu sein und im Zweifelsfall auch diese wegzuräumen.


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Was passiert mit Ritualen, Geburtstagen, Turnen?2017-06-23T14:32:08+00:00

Gängige Rituale wie etwa Morgenlied, gemeinsames Znüni, Ämtli etc. gehen gemeinsam mit den Spielmaterialien in die Ferien. Diese Rituale beeinflussen den Spielfluss der Kinder oder besser gesagt, sie unterbrechen die Entwicklung des Spiels. Je nach Ritual gilt es abzuwägen, ob es trotzdem bleibt. Es gibt also einen gewissen Verhandlungsspielraum. Wichtig ist zu prüfen, ob das Ritual dem Projekt schadet oder ob die Unterbrechung zu Ungerechtigkeiten führt. Das Feiern von Geburtstagen ist ein solcher Fall. Kinder, die während der Projektzeit Geburtstag haben, nicht zu feiern, wäre total ungerecht. Auch sie haben die gleiche Anerkennung wie die anderen Kinder zu gute. Daher werden Geburtstagsrituale beibehalten.

Das selbe gilt für das Turnen. Auch während des Projekts ist das gut möglich. Schliesslich brauchen die Kinder Bewegung. Es lohnt sich Gedanken zu machen, wie die Turnstunde aussieht. Beispielsweise entscheiden die Kinder über die Gerätewahl. Oder es wird entschieden, dass es einen Waldmorgen statt einer Turnstunde gibt.


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Wann essen die Kinder ihr Znüni?2017-06-23T14:38:39+00:00

Während der Projektzeit fällt das gemeinsame Znüni essen weg. Die Kinder bestimmen in den Projektmonaten selbst den Zeitpunkt, wann sie ihr Znüni essen wollen. So kommt es vor, dass einige gleich nach dem Eintreffen Znüni essen. Vielleicht reicht es sogar noch für ein zweites Znüni – wer weiss. Andere werden so mit Spielen beschäftigt sein, dass sie es komplett vergessen.


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Deutsch als Zweitsprache – Was geschieht mit dem DaZ-Unterricht?2017-06-23T14:44:19+00:00

Der DaZ-Unterricht bleibt weiterhin bestehen. Wichtig ist, dass die DaZ-Lehrperson miteinbezogen und über das Projekt informiert wird. Falls möglich, kann die DaZ-Lehrperson ihren Unterricht anpassen. Es lohnt sich der Frage nach zu gehen, wie sich die DaZ-Lehrperson mit ihrem Wissen ins Projekt einbringen kann.


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