Ich lass es mir nicht nehmen und besuche wieder einmal einen spielzeugfreien Kindergarten. Der Raum sieht kahl aus. Nach und nach trudeln die ersten Kinder ein. Die Kinder sind etwas aufgedrehter als sonst, meint die Kindergartenlehrperson. Ich seh`s den Kindern an. Sie streifen herum, werfen Blicke in meine Richtung. Doch kaum 5 Minuten später holen sie die grosse Matratze aus der Ecke.

Das erste Spiel beginnt, sie lassen sich absichtlich unter der Matratze einklemmen. Das macht Spass – ich sehe es den Kindern an. Sich und das Gewicht der Matratze zu spüren, scheint schön zu sein. Dann wird die Matratze auf die Tische gehieft. Da braucht es viel Kraft. Etwa acht Jungs lassen ihre Muskeln spielen. Geschafft! Sie sie sitzen, hüpfen, lachen, purzeln… Das geht eine ganze Weile so weiter.

Irgendwann verschwinden sie in den anderen Raum, dort geht das Spiel weiter.

Sehr viel später kommen sie zurück zur Matratze. Jetzt ist sie nicht mehr auf den Tischen, sondern liegt vor einem kleinen Regal, das ungefähr einen Meter hoch ist. In Reih und Glied stehen die Kinder an. Sie hüpfen vom Gestell auf die Matten. Ganz schön hoch! Der eine oder andere zögert. Die Matratze ist zu weit weg. Man will auf sicher gehen und nicht auf dem harten Boden landen. Geduldig warten die anderen Kinder, bis der Vorderste springt und wieder von der Matratze weg ist. Dann werden schwierigere Sprünge gewagt. Einige Kinder bleiben nämlich auf der Matratze stehen und es geht darum, in die Lücken zu springen. Hier trauen sich nun nicht mehr alle zu springen.

Ich bin sehr fasziniert, wie gut diese Jungs warten können und wie viel Geduld sie aufbringen. Ganz schön mutig! Und mit wie wenig sich diese Kinder zufrieden geben!

 

Susanne Wasserfallen – beim Beobachten in einem spielzeugfreien Kindergarten


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